E-Portfolio-Arbeit von der KiTa bis zur Seniorenakademie

Man lernt ja nie aus, wie man so schön sagt. In der zweiten Aufgabe des vierten Themenblocks des SOOC wurde gefragt, wie ein lebenslanges E-Portfolio aussehen würde. Als erstes würde es wohl verdammt lang werden. Es bräuchte sicher eine Menge Geduld und ein besonderes Interesse das von vorne bis hinten zu studieren. Es würde in der Krippe und Kindergarten anfangen, wo meine Erzieherinnen vielleicht meine Kritzeleien in ein Portal stellen und sie hinsichtlich meiner Farb- und Formauswahl interpretieren würden. Meine Sozialkompetenz und körperliche Entwicklung würde genauestens in genormten Zeitabständen dokumentiert werden und wenn nötig bekäme ich bei gewissen Defiziten professionelle Betreuung.

Das würde sich in der Schule fortsetzen. Hinzu kommt in diesem Stadium dann die eigene Reflexion des Erlernten. Wo steh ich? Wo will ich hin? Alle Projekte aus dem Unterricht und eventuell alle Teste und Klausuren würden in meinem Portfolio auftauchen. Das führt zu dem Problem des Zugangs zu dem Portfolio. Wer hat Zugang zu all diesen Daten? Die Lehrer und ich selber auf jeden Fall, aber wie sieht es mit den Schülern und später Studenten aus? Aus Datenschutztechnischen Gründen dürfen Noten im Grunde nicht allen zugänglich gemacht werden, aber wie sollen die Einträge dann bewertet werden? Sobald das Feedback der Lehrer nur für einen selbst sichtbar ist, stellt es für andere keinen Mehrwert mehr da. Es müsste demnach ein Kompromiss gefunden werden, dass z.B. Noten nicht öffentlich sichtbar sind, sondern allenfalls eine schriftliche Bewertung. Auch das ist datenschutztechnisch sehr grenzwertig.

Deutsche Post AG, Sonderbriefkmarke "lebenslanges Lernen", keine Beschränkungen des Copyrights

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Im Studium schließlich würden auch meine Kommilitonen mir regelmäßig Feedback geben. Hier kann ich es mir vorstellen, dass der Einzelne selbst entscheidet, welche seiner Einträge für welche Personengruppe zugänglich ist. Die Vernetzung würde mit großer Wahrscheinlichkeit über das Internet erfolgen. Dieses macht es auch möglich, dass Professoren aus anderen Ländern Vorlesungen halten und die Fortschritte ihrer Studenten überwachen können. Per Kommentarfunktion wäre ein reger Austausch zwischen Studenten und Professoren möglich. Wahrscheinlich würde es wie im SOOC eine Art Blogreader geben, der einen nach Wunsch über neue Einträge oder Kommentare benachrichtigt, sodass man auch nichts verpassen kann. Natürlich gäbe es auch eine entsprechende App, damit unterwegs in der Bahn oder im Wartezimmer neue Nachrichten gelesen, aber auch neu verfasst werden könnten. Das bisher gesammelte Portfolio könnte dann dem Arbeitgeber nach der Ausbildung zur Verfügung gestellt werden. So könnte man seine Kompetenzen darstellen und sie mit besonders gut gelungenen Einträgen belegen, sodass geeignete Bewerber noch effektiver ausgesucht werden könnten. Während der dann folgenden Berufstätigkeit würden Weiterbildungen sowie besondere berufliche Erfolge und Niederlagen in das Portfolio gestellt und vom Arbeitsgeber und Arbeitskollegen kommentiert werden. Wichtige Geschäftsabschlüsse oder Präsentationen im Ausland könnten mit der Webcam des eigenen Laptops dokumentiert werden und bei der Karriere- und Gehaltsentwicklung eine Rolle spielen. Da der Zugriff auf das Portfolio mit Passwörtern geschützt ist und über das Internet zugänglich ist, kann überall von allen Geräten drauf zugegriffen werden. Den Arbeitskollegen in China können Beispielsweise während einer Geschäftsreise die neusten Erkenntnisse und die zugehörigen Meinungen der Chefetage auf dem Smartphone gezeigt und weiterversendet werden.

Nach dem Ruhestand könnten dann eventuell endlich die Fähigkeiten, die bisher auf der Stecke geblieben sind und für nicht wichtig in der Berufswelt eingeschätzt wurden, fördern. Zum Beispiel in Schauspiel oder Malerei. Hier würde der Austausch mit anderen Rentnern aus dem Malkurs neue Bekanntschaften ermöglichen und vor einer drohenden Isolierung schützen. Am Ende könnte das Portfolio sogar vererbt werden, um der Jugend besondere Erkenntnisse zu vermitteln, ohne dass diese selbst den langen Weg der Erleuchtung gehen oder eventuell selbst schlechte Erfahrungen machen müssen.

Am Ende kann ich für mich persönlich sagen, dass ich mich bei dem Gedanken an ein lebenslanges Portfolio überhaupt nicht wohl fühle. Für eine Bachelor-, Master- oder Doktorarbeit oder meinetwegen auch die gesamte Studienzeit mag das ganze ja noch Sinn mache, um mir selber und anderen meine Wissenserweiterungen nachvollziehbar zu machen, aber wenn dann z.B. die Vorschuljahre einbezogen werden hört mein Verständnis auf. Der Druck seitens der Eltern würde enorm ansteigen, wenn sie wissen würden, dass die frühkindliche Entwicklung bereits die späteren Berufschancen beeinflussen könnte und wer entscheidet, welche Daten für wen zugänglich sind, bis die Person 18 Jahre alt ist? Die Eltern? Auch das birgt eine Menge Konfliktpotenzial und einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Denn was einmal veröffentlicht wurde, ist aus dem Internet nicht mehr vollständig entfernbar. Auch die Masse an Daten, die über eine Person produziert wird ist bedenklich. Sobald diese in die falschen Hände gelangen können sie in die Intimsphäre des Einzelnen stark eingreifen.

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4 Gedanken zu „E-Portfolio-Arbeit von der KiTa bis zur Seniorenakademie

  1. Pingback: Einladung zum Abschlussworkshop | SOOC13/14

  2. He ich finde deinen Beitrag interessant, denn auch ich habe dazu ein paar Gedanken niedergeschrieben. Deine Ängste und Sorgen kann ich gut nachvollziehen! Natürlich müsste man die Kinder bis zu einem gewissen Alter betreuen oder sogar ganz übernehmen. Stell dir aber doch mal vor, Lehrer/Ärzte/Erzieherinnen und die Eltern könnten auf das Portfolio des Kindes zugreifen. Alle können gut einschätzen, warum ist das Kind vielleicht krank? Der Arzt sieht…aha das Kind ist auch auffällig in der Schule…ist vielleicht zappelig…die Kontakte und der Informationsfluss wäre viel schneller Ich konnte mich erinnern, dass es eine Diskussion über eine elektronische Krankenakte gab. Ich habe dazu folgenden Artikel gefunden: http://www.aerzteblatt.de/archiv/31696
    Festzuhalten ist: es gibt immer Risiken und Chancen …immer wenn etwas neues probiert wird.

  3. Liebe Zazuz,

    leider sieht man anhand Deines Beitrages, dass Du Dich überhaupt nicht mit dem Thema auseinandergesetzt hast. Du hast Dir die Quellen nicht (tiefgründig genug) angeschaut. Mit Portfolio ist ja nicht gemeint, in einem Dokument ALLES darzustellen, sondern alles zu sammeln, aber je nach Kontext immer nur das Relevante/das besonders gut Gelungene darzustellen. Der Portfolio-Gedanke hat nichts mit Horten von Leistungen, sondern mit gezielter Auswahl und Reflexion zu tun!

    • Deinem Beitrag ist allerdings zu Gute zu halten, dass Du Dich kreativ gezeigt hast und die Argumentation – wenn auch auf falschen Tatsachen basierend – mit guten Beispielen und kritischen Aspekten unterfüttert hast.

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