Keine Klausuren mehr ohne Präsenzveranstaltungen?

Die erste Aufgabe zum vierten Themenblock „E-Portfolios, Learning Analytics und Co.: Methoden zu Beobachtung und Analyse digital vernetzter Lernprozesse“ geht der Frage nach, wie die Bewertung aussehen würde, wenn es keine Präsenzveranstaltungen mehr geben würde. Es gab in meinem Studium bereits Vorlesungen, die nicht im Vorlesungssaal, sondern ein paar Kilometer weiter weg in den Wisconsin, USA gehalten wurden. Uns wurde dann die Aufzeichnung der Skype-Vorlesung zusammen mit der Präsentation im Opal (eine Lernplattform der TU Dresden) zur Verfügung gestellt. Am Ende wurde allerdings ganz normal am Semesterende eine Klausur über den Stoff geschrieben. Die Frage ist jetzt, wie das anders aussehen könnte.

Um  Leistungen im Internet bewerten zu können haben sich E-Portfolios und Learning Analytics  etabliert. In einem E-Portfolio kann man seinen Lernprozess digital dokumentieren, reflektieren und präsentieren. So können zum Beispiel Links zu besuchten Weiterbildungsverantstaltungen, Textdateien, Videos oder Referenten wie Zeugnisse und Bescheinigungen  in diesem Portfolio veröffentlicht (Schaffert, Hornung-Prähauser, Hilzensauer & Wieden-Bischof, 2007, S. 82) und von andern kommentiert sowie von einem selbst reflektiert werden. Ein Beispiel für eine Plattform, die die Erstellung und Verwaltung eines E-Portfolios ermöglicht ist z.B. Mahara.

Ich selber wurde im letzen Semester statt mit einer Klausur mit einem Portfolio geprüft. Darin enthalten waren Textvorstellungen, Präsentationen, Hausarbeiten und Gruppenarbeiten, die mit einzelnen Noten bewertet wurden und anschließend unterschiedlich gewichtet in die Jahresendnote eingingen. Letztendlich haben sich alle ihre gute alte Klausur zurück gewünscht, da es einen Haufen Mehrarbeit während des Semesters erforderte dieses Portfolio entsprechend zu bearbeiten. Im Prinzip könnte so aber auch das E-Portfolio aussehen. Es gibt mehrere verschiedene Aufgaben (Web-Präsentationen, Rechercheaufgaben, digitale Hausarbeiten oder auch digitale Ankreuztest oder kleiner Zwischenprüfungen), die alleine oder in Gruppenarbeit auf einer Plattform abgespeichert werden und dann vom Lehrer und Kommilitonen kommentiert und bewertet werden. Dafür müssen natürlich die Zugriffsrechte kontrollierbar sein. Möglicherweise wird so eine leistungsgerechtere Bewertung möglich, wenn die Endnote nicht nur von einer Einzelleistung abhängt.

Learning Analytics sind dann schließlich Anwendungen, die die verschiedenen Daten aufzeichnen, welche von z.b. Studierenden produziert wurden, und diese versuchen zu interpretieren. So soll der Lernfortschritt gemessen und potenzielle Problembereiche aufgedeckt werden. Learning Analytics werden also benutzt um Daten zu erheben, zu aggregieren, analysieren und auszuwerten (e-teaching, 2013). Solche Programme wie mixpanel können z.b. auch genutzt werden um bei der eigenen Webseite, die Wege der Besucher auf der Suche nach einer Information, die Benutzung eines bestimmten Features oder die Besucherzusammensetzung nach Ort zu ergründen. Das heißt also, dass es auch möglich wäre auf einer Lernplattform personengebunden nachzuprüfen, welche Links von wem wann in welcher Häufigkeit angeklickt wurden. Hier wäre es problematisch, wenn z.B. der Professor aus einer zu geringen Anzahl von Klicks auf verschiedene Lernressourcen annimmt, dass keine ausreichende Recherche stattgefunden hat, obwohl der Student vielleicht tagelang verschiedene Bücher oder Webseiten zu dem Thema gelesen hat. Allgemein blinkt bei den Begriffen „Daten“ und „aufzeichnen“ natürlich gleich wieder das innere ACHTUNG-Schild auf. Die Frage ist, welche Daten genau aufgezeichnet werden. Es ist fraglich, dass die Daten, die damit gesammelt werden auch wirklich nur den Lernfortschritt aufzeichnen und nicht Einblick in die Privatsphäre des Studenten geben. Die Auswertung und Interpretation der Daten stelle ich mir auch sehr schwierig vor. Bilden die Daten wirklich den Lernprozess vollständig ab und erlauben damit eine zuverlässige Analyse sowie darauf aufbauende Empfehlungen?

In dem Youtube-Video „Die Zukunft des E-Learnings“ wird kreativ dargestellt, wie mit Hilfe eines Facebook ähnlichen Uni-Profils das Studentenleben vereinfacht werden könnte. Alle Vorlesungen sind online auf PC und Handy verfügbar, Prüfungen werden durch den eigenen Fingerabdruck per Handy angemeldet und Hausaufgaben können unkompliziert mit anderen Studenten zusammen gelöst werden. Wie man zwischendurch sehen kann, werden diese Hausaufgaben auch beim Professor eingereicht. Eventuell sogar bewertet. Aber gerade da sehe ich ein großes Problem des „nicht-mehr-anwesend-sein-Müssens“. Eine Prüfungsleistung sollte ja vor allem die eigene Leistung widerspiegeln. Gerade bei sowas wie Mathe oder Faktenfragen kann aber leicht kopiert werden. Sollte die Endprüfung also auch über diese Plattform erfolgen und jeder könnte das von einem beliebigen Ort aus tun dürfen, wäre es im Normalfall ein leichtes, sich entweder nebenbei per Chat abzusprechen, nach zu googeln, oder sich einfach mit mehreren Laptops in einen Raum zu setzen und sich abzusprechen.

Im Idealfall sollte eine Bewertung schon aus einem Zusammenspiel von Eigen- und Gruppenleistung erfolgen. Eine Möglichkeit wäre, dass Aufgaben wie Zwischentest oder auch Onlineklausuren eventuell in einem Raum geschrieben werden müssten, der mit einer Webcam vollkommen erfasst werden kann, sodass während einer Leistungsprüfung kein Helfer im Raum sitzen könnte. Um Googeln oder die Zuhilfenahme von anderen Dokumenten zu unterbinden müsste der Bildschirm entweder ebenso ab gefilmt werden oder während der Prüfung dürfte nur das Fenster mit dem Test funktionsfähig sein. Die restlichen Funktionen würden quasi für die Zeit des Testes einfrieren. Alle anderen Aufgaben und Prüfungsleistungen dürften ja entweder sowieso in Gruppenarbeit gelöst werden oder würden durch einen Plagiatsscanner geschickt werden, sodass auch hier ein schummeln ausgeschlossen werden kann.

Quellen:

Schaffert, S., Hornung-Prähauser, V., Hilzensauer, W., & Wieden-Bischof, D. (2007). E-portfolio-einsatz an hochschulen: Möglichkeiten und herausforderungen. Ne (x) t Generation Learning “: E-Assessment und E-Portfolio: halten sie, was sie versprechen, 75-90.

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